Die ersten Arbeitstage

Seit fünf Tagen sind wir nun hier und natürlich haben wir mit den ersten Arbeiten begonnen. Allzu viel hat sich noch nicht getan, unsere beiden kleinen Hemmschuhe leisten ihren Beitrag dazu.

Wer Kinder hat, kennt das Drama: so lange sie noch sehr klein sind, scheint sich alles ums Essen oder ums Schlafen zu drehen. Eines dieser beiden Bedürfnisse ist immer sehr akut. Während unser Dreijähriger sich schon eine Weile alleine beschäftigen kann, wünscht das Baby sich noch recht intensive Betreuung. Wir arbeiten also vorrangig, wenn mindestens das Baby, vorzugsweise aber beide Kinder, schlafen. Vielleicht ist es die Sonne oder das Wasser oder die ungewohnte ganztägige Anwesenheit der Eltern, man weiß es nicht. Auf jeden Fall schläft hier keines der Kinder vor 22 Uhr ein. Das Zeitfenster, welches zum Renovieren offen steht, ist also beängstigend klein. Man kann nur hoffen, dass sich das irgendwann normalisiert.

Spachtel

In den letzten beiden Nächten haben wir zwei Zimmer von Tapete befreit. Angefangen haben wir im zukünftigen Kinderzimmer. Nach der ersten Tapetenbahn dachte ich noch, oh, wie easypeasy, da bin ich ja in 20 Minuten fertig! Ein Kinderspiel! Dann stellte ich fest, dass der gipsartige Untergrund, der sich unter der Tapete befand, kein Gips war, sondern mehrere Schichten weißer Farbe… Gaaahh. Verflucht. Die darunterliegende Schicht Tapete saß sehr viel fester an der Wand. Es handelte sich – natürlich! – um Rauhfasertapete. Hat schon mal jemand alte Rauhfasertapete von der Wand gekratzt? Da sind echte Sägespäne drin. Die rammen sich gern bei unbedachten Bewegungen unter die Fingernägel, wo sie dann niemals mehr rausgehen sondern auf ekelhafteste Weise rauseitern müssen. Wenn man Glück hat, kann man sie dann doch entfernen, aber auf jeden Fall hält dieses Hölle gewordene Stück Wandbedeckung einigen Schmerz bereit.

Tapetenreißen

Ein schneller Test mithilfe der Radiokarbonmethode brachte zu Tage, dass die Tapete bereits seit früher Steinzeit, also seit 1980, hing. Wer sich an unsere ursprüngliche Suche nach einem Ferienhaus erinnert, weiß, dass wir eigentlich ein sehr altes Haus kaufen wollten. So ein süßes kleines Bauernhaus mit Reetdach und Fachwerk. Hätten wir dort Tapeten entfernt, hätten wir vielleicht hübsche Wandbilder entdeckt. So aber blieb nur die berüchtigte Rauhfaser…. Wenn man Tapete nicht so leicht lösen kann, ist es ja ein probates Mittel, diese mit Wasser und einem Tropfen Spülmittel einzuweichen, um den Kleber zu lösen. Im Fernsehen benutzen die Profis dafür gern einen gekauften Tapetenlöser und bereiten die alte Tapete noch mit Nagelwalze oder Nagelroller vor. Das ist aber nicht nötig. Man kann auch einfach mit einem Pflanzendrucksprüher das Wasser auf die Tapete sprühen. Einen Moment warten und auf geht es! Es bleibt jedoch ein mühseliger Akt, der eigentlich zu den ganz großen – wenn auch stark verkannten – Heldentaten der Haussanierung gehört. Nach einer Weile steht man knietief in siffigen Tapetenresten, rammt sich oben genannte Splitter unter die Haut und flucht (leise, damit die Kinder nicht aufwachen). Aber das Ganze hat auch sein Gutes. Je nach persönlicher Vorliebe kann man dabei prima seinen Gedanken nachhängen oder mal wieder tiefsinnige Gespräche mit dem Leidensgenossen führen. Wir taten keines davon. Wir stellten stattdessen geistige to-do-Listen auf, was am nächsten Tag zu erledigen sei und wo die künftigen Steckdosen hinkommen sollten. Hat auch was.

Tapetensäcke

Und was machen wir tagsüber? Abgesehen vom Einsammeln der Tapetenreste und Touren zum Wertstoffhof machen wir kleinere Gartenarbeiten oder Reparaturen. Mindestens einmal am Tag führen wir die Kinder in die nahe Badebucht, damit wir alle unsere erhitzten Körper und Gemüter abkühlen können. Der Sohn hat dort bereits einen kleinen Kameraden gefunden. Der stand eines Abends einfach vor dem buddelnden Kind und stellte sich vor. Der Sohn (auch er ist schließlich die Anonymität der Großstadt gewöhnt) war zunächst irritiert. Sein kleiner Gegenüber fummelte sich derweil in aller Ruhe am Gemächt. Das war dem Sohn vertraut und er fragte gleich nach, ob der andere Junge denn auch einen Penis habe. Das verneinte dieser. Er hatte lediglich einen Schniedel. Diese Vokabel-Differenzen waren aber schnell ausgeräumt. Und wie das so ist, wenn man ein gemeinsames Lieblingsthema hat, war das Eis schnell gebrochen und alle Kinder buddelten einträchtig weiter. Die Erwachsenen – dem bisherigen Gesprächsverlauf leicht beschämt folgend – saßen mehr oder weniger nutzlos herum und kamen wesentlich schwerfälliger in ein gemeinsames Gespräch. Wir erfuhren aber schließlich doch noch, dass des Sohnes neuer Freund ebenfalls hier im Ort wohnt. Seine Begleiter erzählten uns das ein oder andere über Grambin, was uns sehr freute. Hoffentlich treffen wir dieses Gespann noch öfter am Strand.

Die nächsten Tage sollen noch mal sehr heiß werden, ich hoffe, dann schaffen wir hier im Haus überhaupt etwas. Für morgen ist erst einmal wieder einiger Besuch eingeplant. Es werden noch einmal zwei Elektriker ihre Angebote abgeben und auch ein Heizungsbauer. Zudem werden morgen unsere neue Waschmaschine und ein Kühlschrank geliefert. Dann wird sich unser Aufenthalt hier vielleicht nicht mehr ganz so sehr nach Camping anfühlen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s