Baustellen-Update

Heute mal wieder ein Baustellen-Update. Ich bin manchmal ganz hin- und her gerissen. Liest das hier überhaupt jemand? Hallo, hallo, ist da wer? Oder könnte ich das Ganze hier einstampfen? Dann schreibe ich wochenlang nichts und auf einmal kommen an einem Tag mehrere Anfragen, wann es denn mal wieder einen neuen Beitrag gibt. Nun gut, hier ist er also. Muss selbst nochmal nachlesen, was ich denn eigentlich zuletzt geschrieben habe. Ok, nun nach dem Lesen meines letzten Beitrages muss ich richtig lachen. Innerlich und ganz leise und mit Tränen in den Augen, aber ich lache! Ob der Ironie, die das Leben so bietet. Um mich mal selbst zu zitieren: falls sich jemand das fragt, wir haben immer noch keine Elektrik. Wenn nun jemand denkt, wir haben schon wieder einen Elektriker verschlissen, der irrt. Einen Elektriker haben wir noch, nur macht der wenig Elektrik. Der Mann ist sehr nett, das ist unbenommen. Doch obwohl er Mitte Juni die Arbeit offiziell aufgenommen hat, ist ein Ende noch lange nicht in Sicht. Wie also arbeitet er? Er schickt immer einen einsamen Arbeitnehmer, der dann an circa einem Tag pro Woche auf unserer Baustelle ackert. Nicht den ganzen Tag, versteht sich. Und da man bei dieser Klotzerei natürlich nicht viel schafft, braucht es wohl noch einen ganze Weile, bis bei uns wieder ordentlich Strom fließt. Das Obergeschoss ist zwischenzeitlich mit Kabeln ausgestattet, die Schlitze haben wir ebenfalls bereits geschlossen. Im Erdgeschoss hingegen starren wir weiterhin auf unsere staubigen Kabelkanäle. Was also tun? Ich persönlich neige ja im Privaten – manche Kollegen werden meinen, auch im Beruflichen – zum Pöbeln. Bei Auseinandersetzungen mit diversen Dienstleistern, sagen wir Telefonanbietern oder dem Finanzamt, ist das durchaus förderlich, denn bei solchen Leuten kommt man mit prolliger Dreistigkeit gut weiter. Man sollte meinen, auch ein Elektriker, der fast 10.000 EUR in deinem Haus verdienen will, verstünde sich als Dienstleister, aber weit gefehlt. Die verstehen sich eher so als … tja … ja, ich glaube, tatsächlich haben sie da irgendwas in unserem Vertragsverhältnis komplett missverstanden und denken, SIE seien die Kunden. Kunden, die am Ende komischerweise Geld bekommen. Habe ich bis vor unseren Bauarbeiten noch geglaubt, das beträfe nur einige wenige schwarze Schafe der Branche, bin ich nun absolut davon überzeugt, dass die das im Rahmen ihrer Ausbildung lernen. Da gibt es so ein Fach namens „Mache deine Kunden zu deinen Lieferanten“ und da lernen sie dann gewiefte Tricks, wie man die Kundschaft in die Bredouille bringt, so dass sie niemals laute Forderungen stellen vor lauter Angst, ohne Fachmann auf der Baustelle zu stehen. Was könnt ihr daraus lernen? Macht immer Verträge! Bislang haben wir uns auf Handschläge verlassen, das ändern wir in der Zukunft. Da werden wir Liefertermine schriftlich festhalten, um bei Lieferverzug (kann man nach einem Monat schon von reden, oder?!) ordentlich Geld abzuziehen.  Unser lieber Elektriker kommt (eventuell!) noch ohne Strafzoll davon. Wir werden mal den Rest seiner Leistung abwarten. Ja, wann geht es denn eigentlich weiter? Wir haben ihn neulich zu uns zitiert, denn wir verbringen ja – mit kurzen Unterbrechungen, um das heimische Wellnessbad zu nutzen – aktuell unseren Jahresurlaub auf der Baustelle. Bis zu diesem Moment war eigentlich Deadline, das heißt, bis letzte Woche sollte ursprünglich das Haus spätestens mit Elektrik versorgt sein. Nachdem das nun nicht passiert ist, sollte er also antreten und die kommende Arbeitsgeschwindigkeit erläutern. Der Ferienhausherr schärfte mir vorher ein, „nicht allzu sehr abzudrehen“, damit er die Arbeit nicht gänzlich einstelle. Sicher, sicher, versprach ich und legte mir sorgsam ein paar freundlich-ermahnende Worte zurecht. War gar nicht nötig, der Mann war gebührend zerknirscht, erläuterte die privaten Schwierigkeiten seiner Leute (also des einzigen Handwerkers, der es jemals bis zu uns schaffte) und versprach Besserung. Allerdings erst zu gegebener Zeit, denn in den nächsten beiden Wochen könne erst mal niemand bei uns arbeiten. Wenn es dann an das Schalten des neuen Elektronikschrankes geht, sei allerdings alles in Butter, denn da sei auch wieder der Lehrling am Start. Äh, wie bitte? Der Lehrling? Der soll’s bei uns richten? Hopfen und Malz sind verloren, wir werfen die Flinte ins Korn, geben auf, hissen die weiße Fahne – und holen schon einmal Kerzen und Gaskocher herbei. Wozu Elektrik? Wird alles überbewertet. Die Leute sollen ja auch Ferien bei uns machen. Da kann man ja wohl mal ins Restaurant gehen und es sich mit Kerzenlicht gemütlich machen. Vielleicht finden wir auch noch irgendeine LED-Solar-Lösung. Es wird sich alles finden müssen.

Aber lasst uns dieses wenig erbauliche Thema verlassen und zu Schönerem übergehen. Unseren Nachbarn.

Alter_Asbestzaun

Unseren Nachbarn zur Linken und uns trennte bis dato ein alter Asbest-Zaun. Bräunlich-Gelb vor sich hinschimmernd, fristete er sein Dasein seit mindestens vierzig Jahre. Und war immer noch „gut“. Aber eben auch ziemlich hässlich. Wir haben uns also entschieden, ihn durch eine hölzerne Alternative zu ersetzen. Inspiriert wurden wir dabei ziemlich profan durch den östlichen Nachbarn, der eben einen Holzzaun hatte. Damit wir ein halbwegs einheitliches Bild im Garten haben, haben wir also einen identischen Bohlenzaun gekauft. Unser Nachbar E. hat sich in das Projekt eingeklinkt. Finanziell und auch tatkräftig. Und es ist wahrlich ein Projekt. Seit nun bereits mehreren Wochenenden arbeiten wir daran. Zunächst wurden die alten Zaunplatten entfernt und ordnungsgemäß entsorgt. An einem weiteren Wochenende wurden die Einschlagbodenhülsen für die künftigen Zaunpfosten einbetoniert. Man wohnt schließlich an der Küste und der Zaun muss für viele Stürme gewappnet sein. Hier bekamen wir freundlicherweise Unterstützung von weiteren Nachbarn. Einige arbeiteten tatsächlich mit, andere hatten kluge (?) Ratschläge parat bzw. gaben sich dem großen Vergnügen hin, anderen bei der Arbeit zuzusehen. Es sei ihnen gegönnt. Nachbar H. (der mit dem bereits bestehenden Bohlenzaun) glaubte berechtigterweise, bereits über nützliche Erfahrungen zu verfügen. Schließlich hatte er das ganze Prozedere schon hinter sich. Während drei Männer also mittels einem komplizierten Algorithmus den Abstand zwischen den Einschlagbodenhülsen berechneten, wurden sie aus gebührendem Abstand – mal mehr, mal weniger feixend –  von unseren nachbarlichen Zaungästen mit mannigfaltigen Ratschlägen versorgt.  Dank einem kleinen Erdbohrer, den Nachbar F. beizusteuern wusste, wurden die nötigen Erdlöcher ruckzuck ausgehoben. Roman mischte am laufenden Band Zement und versorgte die Bohrer mit Fundamentmasse. Erde bohren, Hülse rein, Zement rauf und nebenbei. Fertig. Und schon war das nächste Wochenende rum. Am nächsten ging es weiter und die ersten Zaunfelder wurden gesetzt. Für das erste Zaunfeld brauchten wir höchstens zwei Tage. Davon lasierten wir am ersten Tag ein paar Zaunfelder und am nächsten Tag stellten wir über mehrere Stunden hinweg fest, dass wir am vorangegangenen Wochenende Mist gebaut hatten. Wie hatte das passieren können? Trotz zig wohlmeinender Supporter? Konnte ja gar nicht sein. Der oben genannte komplizierte Algorithmus bestand leider nur aus einem Balken, der die Länge eines Zaunfeldes hatte und somit als Abstandhalter diente. Das war wohl nicht die ideale Lösung, denn es stellte sich heraus, dass die Abstände fast alle ein paar Zentimeter zu lang waren. Ein paar Zentimeter hört sich wenig an, sind aber mit den zur Verfügung stehenden Befestigungswinkeln nur schwer zu überbrücken. Hatte Nachbar F. von Anfang an gewusst! Tjaha, aber nicht von Anfang an gesagt! WARUM EIGENTLICH NICHT? Vielleicht, weil es so einfach lustiger war. Sei es drum, einen Baumarktbesuch später waren wir im Besitz längerer Winkel und konnten die ersten Felder setzen.

Nur wenige Tage später ging es auch schon weiter. Trotz entsetzlicher Langsamkeit der ausführenden männlichen Zaunbelegschaft kam ich mit dem Aufpinseln der Lasur nicht schnell genug hinterher. Ständig moserten die Kinder, mussten gefüttert, zu Bett gebracht oder notärztlich versorgt werden. Das Übliche also. Nachbar E. spornte zwischenzeitlich zu größerer Geschwindigkeit an – mutmaßlich instruiert durch seine Gattin, die vermutlich die Nase voll von unserem Nachwuchs hatte, der schamlos die fehlende Grundstücksbegrenzung nutzte, um sich im Nachbarsgarten zu vergnügen (wo das Gras nicht nur sprichwörtlich grüner ist). Er ist allerdings auch verlockend: Trampolin, Pool, Sandkasten, kleine Hasen im Zwinger – alles da, was ein Kinderherz begehrt. Und wie gesagt: da wir immer am Bauen sind, haben wir keine Zeit, die Kinder ordentlich zu erziehen, so dass sie nicht gelernt haben, fremdes Eigentum zu respektieren. Eines schönen Tages stand auch noch Nachbar B. im Garten bzw. zwischen den Gärten und packte mit an. Sieht man ihn sonst nur mit blankem Oberkörper auf dem eigenen Gehöft schuften, stand er auf einmal auf unserem und half mit. Keine Ahnung, was genau er beruflich macht, aber die anderen Nachbarn nennen ihn „Profi“, womit wohl gemeint ist, dass wir Glück haben, ihn zur Crew zählen zu dürfen. Dank B.s Unterstützung ging es nun also im Schweinsgalopp voran und an rechtzeitiger Lasur des Zaunes war nicht mehr zu denken. Im Endergebnis verfügen wir nun also über einen Zaun in verschiedenen Farbschattierungen und ich muss die restlichen Zaunfelder streichen, während sie schon stehen. Viel schwieriger in die kleinen Lücken zu kommen, sag ich euch! Macht ihr das lieber vorher, wenn ihr mal vor der Frage steht, wann der richtige Zeitpunkt zum Streichen/Lasieren ist.

Und wie geht es weiter? In den kommenden Tagen besucht uns meine Mutter. Sie wird ein paar Tage auf der Baustelle verbringen und versuchen, unseren Nachwuchs so zu bespaßen, dass Roman und ich mal ein paar Stunden am Stück ackern können. Für mich bedeutet das, so viel Zeit mit meiner Mutter zu verbringen wie vermutlich seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Ich bin gespannt, wie das wird. Vielleicht rennt sie auch schreiend rückwärts zur Tür hinaus, wenn sie unsere Hütte betritt. Dann erübrigt sich die Frage. Ich werde berichten. Irgendwann. Wenn mal wieder jemand danach fragt.

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jana sagt:

    Liebe Steffi, also ich lese hier mit!!! Es ist nicht umsonst geschrieben. Komme bloß leider nicht so oft dazu. Aber wenn ich es mal schaffe, dann ist es so spannend, als wäre man mittendrin. Ich wünschte, wir würden unsere Bauerei mit soviel Humor nehmen können (kann ich leider gerade nicht). Umso schöner also hier. Liebe Grüße, Jana

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    1. Mensch, Jana, ich lese jetzt erst deinen Kommentar. Und freue mich umso mehr drüber. Im echten Leben hält sich meine Frustrationstoleranz auch in engen Grenzen. Ich schreibe es nur mit Humor nieder, damit ich mir später einreden kann, dass das ne super Zeit war!

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