Kassensturz

Heute wollen wir uns mal einem unangenehmen Thema widmen. Wir müssen einen Kassensturz machen. Auch wenn ich persönlich immer mal wieder zur Verdrängung neige, bietet es sich während eines größeren Bauvorhabens an, auf dem Laufenden seiner finanziellen Möglichkeiten zu sein.

Der Ferienhausherr ist ein Sparfuchs. Wie ein unermüdliches kleines Wiesel huschen seine Augen beständig hin und her in der Hoffnung, irgendwo ein Schnäppchen  zu erspähen. Amazons Sonderangebote, Schnäppchen in den Kleinanzeigen, Herabsetzungen im Baumarkt, ja, sogar über Bekannte und Kollegen werden günstig Material und Gerätschaften gekauft. Außerdem werden sämtliche Dienstleistungsverträge – Strom, Gas, Telefon – in schöner Regelmäßigkeit in einem Rundumschlag erneuert. Ein weiterer Aspekt in unserem Dasein als Sparfüchse ist es, dass wir immer auf der Suche nach den besten Konditionen zur Unterbringung unserer sauer verdienten Kohle sind. Eine Bank lockt mit einem Superzins von 1 %? Wir sind dabei. Es gibt einen Bonus von 100 EUR bei Kontoeröffnung? Wir sind dabei. Weitere 100 EUR nach einem halben Jahr bei derselben Bank? Wir bleiben dabei und schieben fleißig unser Geld hin und her, um die für den Treuebonus nötigen Kontobewegungen zu erreichen. Bei Kreditaufnahme kann man einen besseren Zins erreichen, wenn man sein Gehaltskonto zur betreffenden Bank transferiert? Ihr ahnt es schon, auch da sind wir dabei. In der Summe führen unsere Bemühungen um eine kleine Extra-Einnahme zu einer schier unüberschaubaren Anzahl von einzelnen Konten. Irgendwann habe ich tatsächlich den Überblick verloren, auf welchem Konto wir welche Ersparnisse gelagert haben. Aber bevor ihr vor Mitleid nicht mehr schlafen könnt: diese Sorge sind wir jetzt los, die Konten sind gleichmäßig leer. Manche Probleme kann man eben einfach aussitzen.

Wir rufen uns noch einmal kurz unsere Ausgangslage in Erinnerung: das Haus selbst kostete 100.000,- EUR. Die Kaufnebenkosten, bestehend aus Makler, Notarkosten und Grunderwerbssteuern verschlangen 16.000,- EUR. Für die Sanierung hatten wir rund 50.000,- EUR veranschlagt. Davon wollten wir rund die Hälfte aus unserem Ersparten nehmen, die übrigen Kosten wollten wir peu à peu aus unseren laufenden Einnahmen – sprich: unseren Gehältern – bestreiten. Heimlich hofften wir aber, dass wir dann eben doch keine 50.000,- EUR brauchen würden, weil wir vor lauter Fleiß und noch zu entwickelndem handwerklichen Geschick unheimlich viel durch Eigenleistung sparen würden.

Soweit der Plan.

Wir alle lieben es, wenn ein Plan funktioniert. Im Laufe der vergangenen acht Monate musste ich auf dieses warme, befriedigende Gefühl leider komplett verzichten. Keine Ahnung, wann zum letzten Mal ein Plan aufgegangen ist. (Ah, doch, jetzt fällt es mir ein. Am letzten Wochenende habe ich Zimtschnecken gebacken, da ist der Plan bzw. die Hefe wunderbar aufgegangen und hat ein himmlisch-süßes Ergebnis gebracht. Mit der Sanierung hat das nun wenig zu tun, aber die leidgeprüfte Bauherrin muss sich eben anderswo ihre Erfolgserlebnisse suchen. Auch wenn es nur in der Küche ist, was das Feministenherz beinahe brechen lässt.)

Nun also Hose runter, Butte bei die Fische, Karten auf den Tisch. Was haben wir bislang ausgegeben? Ich muss selbst erstmal gucken.

In Vorbereitung auf die Steuererklärung sortiere ich nebenbei noch alle möglichen Rechnungen. Das sollte ja eigentlich beim Kassensturz helfen, erschlägt mich aber gerade ein bisschen.

Wir listen einfach mal auf:

Die erste Investition ging ins Auto, wir haben eine Anhängerkupplung installieren lassen. Macht das Ferienhaus zwar nicht wohnlicher, war aber nötig: 855,- EUR.

Um die alte Ölheizung wieder zum laufen zu bringen, investierten wir 152,- EUR und lernten so unseren Heizungs- und Wasserinstallateur kennen. Ob das Glück oder Unglück war, wird sich noch herausstellen.

Für die Erneuerung der Heizkörper und deren Rohre berechnete er jedenfalls im Laufe der Monate insgesamt rund 9.000,- EUR.

Das Werkzeug bündeln wir zu einer Summe: rund 700,- EUR. Wir hatten ja auch schon eine ganze Menge bzw. haben viel geliehen. 93,- EUR z. B. kommen noch dazu für das Leihen der Mauersäge, das man sich gut und gerne hätte sparen können.

Neue Fenster haben uns 6.000,- EUR gekostet. Das finde ich sehr günstig.

Eine neue Nebeneingangstür dagegen wird in den nächsten Wochen noch einmal 800,- EUR kosten.

Der Schornsteinfeger hat für einmaliges Erscheinen und einem circa zweisekündigem, dafür hoffentlich umso professionellerem Blick in den Schornstein 74,- EUR haben wollen.

Die Materialien für die Dachdämmung haben bislang circa 2.000 EUR verschlungen.

Der bitterste Posten war bisher die Entsorgung des alten Bauschutts, den wir aus dem Haus entfernt haben. Das alte Laminat, Teppiche, Tapetenreste, die alten Fliesen aus dem Bad, die alte Dämmung aus dem Dach mitsamt ihrer Haltekonstruktion und so weiter und so fort. Stellt euch vor, das hat insgesamt ebenfalls fast 2.000 EUR gekostet. Für nix! Das finde ich unheimlich frustrierend. Ich frage mich, wie lange es gedauert hätte, wenn wir es Woche für Woche in klitzekleinen Mini-Dosen in die Mülltonne geschmuggelt hätten. Sicher doch nicht länger als zwei Jahre? Wäre natürlich illegal. Genauso wie meine zweite Überlegung, alles einfach heimlich im Wald abzuladen. Aber das machen wir natürlich nicht. Sind schließlich Umweltfreunde.

Romans bis dato erfolglose Versuche, den von uns allen heißgeliebten Fernseher zum laufen zu bringen, kosteten bislang 60,- EUR und reichlich Nerven. Dazu muss man sagen, der Fernseher funktionierte durchaus, wir hatten leider nur nicht besonders guten Empfang und daher nur fünf oder sechs Sender, die wir mit halbwegs klarem Bild sehen konnten. Darunter drei Sender für eine Zielgruppe von 3 bis 8 Jahren, was durchaus ein Gewinn für unser aller Nervenkostüm war. Abends, wenn die Kinder schliefen und Roman und ich es nicht über uns brachten, uns miteinander zu unterhalten, konnten wir uns super irgendwelche Tier-Dokus auf ARD alpha reinziehen und somit sämtlichen aufkommenden zwischenmenschlichen Konflikten prima aus dem Weg gehen. Aber das war uns ja nicht genug. Nein, wir wollten auch noch RTL2 haben, damit wir intellektuell nicht zu sehr gefordert würden. Und was passiert, wenn man den Hals nicht voll genug bekommt? Richtig, man bekommt gar nichts mehr. Roman frickelte an der Satellitenantenne rum und zerstörte sie dabei offenbar vollständig. Seitdem haben wir nun gar keinen Empfang mehr. Der Sohn hasst uns und wir müssen miteinander sprechen. Um unsere daraufhin drohende Trennung noch haarscharf zu verhindern, kaufte Roman allerlei technisches Gerät, von dem ich nichts verstehe, außer, dass es klein, schwarz und teuer ist und versuchte, unser fünftes Familienmitglied wieder zum Leben zu erwecken. Wie gesagt: bisher erfolglos.

Hinzu kommen noch diverse Schnäppchenkäufe, die ich auf ebay kleinanzeigen oder sonstwo schieße, als gäbe es kein Morgen. Wie eine Kaufsüchtige mit seltsamem Fetisch kaufe ich ständig abgewetzte alte Möbel, von denen ich glaube, dass sie mit einem Hauch Kreidefarbe im Nu wieder shabbychic und vintagecool aussehen. Die zählen wir aber nicht mit, weil…. Darum eben.

Schrank_Vorher

Zählen wir also mal zusammen. Bestimmt habe ich ohnehin irgendwas vergessen. Plus, plus, plus ist gleich 21.734,- EUR. Mein lieber Scholli. Ganz schön viel. Kein Wunder, dass nirgendwo mehr Geld zu finden ist. Wir haben jetzt noch genauso viel Reserven, dass wir den Elektriker bezahlen können, der demnächst durchs Haus marschieren und endlich ein paar neue Kabel und Steckdosen setzen darf. Danach müssen wir immer erst einen Zahltag abwarten, bevor wir wieder investieren können. Endlich zahlt sich unsere Langsamkeit beim Bauen aus. So müssen wir nicht tatenlos herumsitzen, bis wir wieder Geld haben. Nein, wir brauchen auch zwei Monate, um das mickrigste Budget zu verbauen. So haben wir also weiterhin kontinuierlich zu tun.

Trotzdem: wenn jemand eine Idee hat, wie wir schnell zu Geld kommen, ohne etwas illegales zu tun – oder wenigstens, ohne etwas illegales zu tun, womit wir sofort auffliegen – immer her damit! Bis dahin, frohes Sparen!

 

 

 

 

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