Versuch und Irrtum

Seid ihr zufällig nicht nur Bauherrinnen und -herren, sondern auch Eltern? Vorzugsweise Mütter, denn diese werden folgendes Phänomen vielleicht besser kennen. Sobald man Mutter wird, beginnt man, sich sehr mit diesem Baby-Gedöns-Thema zu befassen. Man liest Mami-Blogs, Erziehungsratgeber, Baby-Koch-Bücher und tritt auf diversen social media irgendwelchen Müttergruppen bei oder folgt ihnen oder was weiß ich. Da gibt es immer zwei Gruppen von Müttern: die, die ihre Kinderschar vergöttern und so tun, als sei jede Minute mit ihnen ein gottverdammtes Geschenk, die sie nie anbrüllen, sondern immer auf Augenhöhe mit ihnen reden (soll man den ganzen Tag kriechen oder was?!) und sie mit liebevoller Konsequenz zu wohlgeratenen Menschlein machen. Und dann gibt es die andere Gruppe – vielleicht erratet ihr es schon -, zu der ich auch gehöre, die sich mit Begeisterung darüber auslässt, wie nervenaufreibend die eigene Brut ist. Da werden dann bizarre Hashtags ins Leben gerufen wie #therealmommylifeisabitch oder so etwas ähnliches, unter denen man mit Freude über die Nachkommenschaft ablästern kann: über den Nervfaktor des Wortes „Warum?“, den Ekelfaktor von Schnodder auf der Bluse und die permanente Eile, weil die Bälger stets und ständig bummeln. Ich liebe das! Bitte nicht missverstehen. Natürlich liebe auch meine Kinderlein über alles, aber manchmal kann man sie eben nicht ausstehen, oder?

Nun befasse ich mich ja zunehmend mit den Herausforderungen der Ferienhaussanierung. Und wie damals, als ich Mutter wurde, habe ich Blogs abonniert, lese Fachzeitschriften, bin in Facebook-Gruppen unterwegs und „folge“ anderen fleißigen Bauherrinnen und Bauherren auf Instagram. Allesamt, denen ich dort begegne, sind eine große Motivation für mich. Ich lerne von Ihnen, lasse mich begeistern und versuche, ihre Tipps und Tricks für mich umzusetzen. Es wäre mir durchaus zuzutrauen, dass nun der blanke Neid aus mir spricht, aber folgendes raubt mir zunehmend den Schlaf: WIE ZUR HÖLLE SCHAFFEN DIE DAS? Überall, wohin ich sehe, erblicke ich tolle Storys, in denen man zusehen kann, wie quasi an einem Tag ein Bad komplett zerlegt und wieder aufgebaut wird. Wo Leute Trockenbauwände im Minutentakt aufstellen und verspachteln. Wo Menschen eigenhändig Böden gießen, Dächer dämmen, entweder großformatige Fliesen ganz alleine legen oder Fliesen im Miniformat in akkuratestem Muster zusammenbasteln. Es wird mit Wasserwaagen jongliert und mit Zimmermannsbleistiften werden kunstvolle architektonische Meisterwerke gezeichnet. Dabei scheint auch niemand mal auf Schwierigkeiten zu stoßen! Haben die alle nur gerade Wände und begnadete Hände? Liegen da nirgendwo Leitungen im Weg? Werden da niemals falsche Bestellungen geliefert? Haben die echt alle Ahnung, von dem, was sie da tun? Sind wir die einzigen, die Youtube-Anleitungen alle zehn Sekunden stoppen müssen, weil wir es einfach nicht raffen? Es scheint mir ganz ähnlich mit den Supereltern zu gehen: mich dünkt, als bekämen alle anderen das weitaus besser hin als wir und natürlich nervt mich das. Oder reden die nur nicht über die dunklen Schattenseiten des Sanierens bzw. Bauens?

Wo sind die real Bauleute in den social media? Die, denen der Bohrhammer in der verfluchten Wand stecken bleibt und die dann einen zweiten kaufen müssen, um den ersten herauszustemmen? Die, die eigentlich nur streichen wollten, aber dann kommt das Dach runter? Die, die selbst Fliesen verlegen wollen, aber später über die tausend Schwellen im Bad stolpern, weil alle Fliesen uneben sind? Die, bei denen keine hundert Freunde mithelfen, sondern die alles alleine machen müssen? Neben den Kindern, der Arbeit und einem halbwegs gesunden Privatleben?

Ihr seht, worauf ich hinaus will: wir brauchen mehr Realität in Sachen Sanierungsarbeiten. Lasst mich anfangen, denn ich habe viel beizutragen: als einen unserer größten Baufehler empfinde ich eine Sache, die fast eine Lapalie ist, die mich aber ständig stört. Wir haben viel zu früh ein paar Türen rausgerissen. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, dass ein Bauschuttcontainer abgeholt wird und habe kurzerhand ein paar Türen samt Zargen zerlegt, die den Container perfekt bis zur Ladekante füllten. Heute ärgere ich mich darüber, denn eines der nunmehr türenlosen Zimmer soll unser neues Bau-Schlafzimmer werden. Und das hat nun keine Tür. Ich kann aber in keinem Zimmer schlafen, das keine Tür hat. Vor dem Zimmer ist nur der kleine Zugang zur Haustür, durch die es mächtig zieht. Das hat man nun davon!

Was noch? Tief, tief drin in meinem Herzen ärgere ich mich darüber, dass wir das Dach abgerissen haben. Nicht das Dach, sondern die Zimmerdecken im Obergeschoss. Die waren zwar alle ein wenig schief und mit seltsamen Zeug gedämmt, aber das hätte bestimmt noch vierzig weitere Jahre gehalten. Never touch a running system. Oder: if it ain’t broke, don’t fix it. Vielleicht hätte man auch irgendwas an der Dämmung ändern können, ohne alle Decken abzunehmen. Aber nun ist es zu spät.

Außerdem könnte ich mir in den Allerwertesten beißen, wie viel Geld wir für billiges – angeblich preiswertes – Werkzeug wir ausgegeben haben. Hier mal ein kleines Gerät, da mal etwas, das man irgendwann vielleicht eventuell brauchen könnte. Und nie gebraucht hat bzw. das beim ersten Gebrauch den Geist aufgegeben hat. Ich möchte mich mit der Tatsache verteidigen, dass wir es nicht besser wussten. Wir sind schließlich noch Sanierungsanfänger. Ich bin sicher, beim fünften Ferienhaus wissen wir es besser…

Wenn ich noch länger darüber nachdenke, fallen mir bestimmt noch hundert Sachen ein, die ich im Nachhinein besser machen würde. Vielleicht mache ich mal eine kleine Sammlung und gebe sie zum Besten. Würde das jemand wissen wollen? Oder sollte man lieber nur die gelungenen Beispiele veröffentlichen? Man möchte schließlich niemandem den Mut nehmen.

Eines noch: Von Anfang an wusste ich, welchen Teil dieser ganzen Lass-uns-ein-Haus-kaufen-und-als-Ferienhaus-vermieten-Geschichte ich am wenigsten mögen würde: den Papierkram. Ich bin leider grottenschlecht in solchen Dingen. Ich hatte es in einem früheren Beitrag ja schon einmal erwähnt. Alle meine Papiere wandern auf einen großen Posteingangsstapel, der sich bis zu dem Moment auftürmt, wenn ich etwas Dringendes suche. Dieses Unterfangen schiebe ich dann noch zwei, drei Wochen vor mir her, bis entweder alle Fristen abgelaufen sind oder die 3. Mahnung ins Haus flattert. Dann suche ich in diesem Stapel, bis ich vor Wut und Panik halb wahnsinnig bin und mich endlich aufraffen kann, alles geordnet abzuheften. In circa 95 % der Fälle finde ich dabei das gesuchte Dokument. Die anderen sind einfach verschwunden im Bermudadreieck unseres Dokumentenschrankes. Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns auch entschlossen haben, die Dienste einer Steuerberaterin in Anspruch zu nehmen. Wir würden vor lauter Sucherei entweder alle Fristen verschlafen oder sämtliche Anträge, Erklärungen oder sonstwas unvollständig abgeben. Leider geht es auch mit Steuerberaterin nicht ohne unser Zutun. Glücklicherweise wird einem immerhin haarklein aufgelistet, was man zu liefern hat. Und da wir uns kennen, haben wir sämtliche Dokumente, Belege, Quittungen etc., die mit dem Ferienhaus in Zusammenhang stehen, in einer „Sammelmappe“ aufbewahrt. Diese müssen nun nur noch sortiert und der Steuerberaterin überreicht werden. Wobei auch dieses Sortieren sicherlich noch den ein oder anderen Abend füllen wird. Und nicht ohne die samtene Unterstützung eines Glases Wein zu bewältigen ist. Immerhin: der Anfang ist gemacht und ich bin froh, dass wir dank professioneller Unterstützung das Beste aus der Steuererklärung herausholen werden.

Irgendwann, wenn die erste Steuererklärung in Sack und Tüten bzw. Briefumschlag ist, werde ich einen extra Post verfassen und erklären, worauf ihr achten müsst, wenn ihr euch selbst an eure erste Steuererklärung nach dem Ferienhaus- bzw. -wohnungskauf macht (Ihr Mutigen!).

Nun jedoch ist es Zeit, die süßesten Kinder der Welt – egal wie zornig, erschöpft, fragend, kleckernd, pupsend oder weinend sie daherkommen – abzuholen und zum Ferienhaus zu fahren. Dort geht es dann weiter mit der DIY-Sanierung. Ich freu mich drauf.

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