Estrich

Kinder, stellt euch vor, wir dürfen wieder nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Nun dürfen auch wieder gewerblich agierende Besitzerinnen und Besitzer von Ferienhäusern einreisen, um die Saison vorzubereiten oder Reparaturen durchzuführen. Offenbar ist Corona hiermit offiziell besiegt, darauf heben wir einen. Oder zwei.

Dieses Wochenende haben wir noch einmal genutzt, um im künftigen Zuhause auf dem Brandenburg Land zu ackern. Da gibt es auch einiges zu tun, leider sind da längst noch nicht die schönen Dinge dran, sondern eher so die schmuddeligen wie aufräumen, ausräumen, ausreißen. Und das auch nur im Garten.

Aber am kommenden Wochenende wird es dann wohl soweit sein. Zwei Monate haben wir dann verloren (OMG!). Aufzuholen ist das in diesem Jahr eigentlich nun nicht mehr, was etwas frustrierend ist. In den letzten Wochen haben wir die Zeit genutzt, um a) den Verstand zu verlieren und b) Pläne für das weitere Vorgehen zu schmieden. Da wir sehr viel Geld gespart haben, das wir sonst in Benzin investiert hätten, dachten wir uns, dieses muss wieder unter die Leute. Also gingen wir jene Aufgabe an, die wir seit Ewigkeiten vor uns hergeschoben hatten. Den Estrich im Flur. Während der Bauarbeiten nervt ja so einiges: Zum Beispiel, dass man keine Küche hat und mit Mikrowelle und einer einsamen kleinen Kochplatte kocht und das Geschirr in der wenig ansehnlichen Spüle des Vorbesitzers spült. Oder dass man kein Bad hat, sondern nur ein Baustellenklo, auf dem man mit dem Eimer spülen muss (man gewöhnt sich an alles, irgh). Oder eben, dass es im Erdgeschoss statt eines Bodens eine Buckelpiste gibt. Eine staubige Buckelpiste, auf der man sich gerne mal die Beine bricht. Das nervte uns seit mindestens einem Jahr und ein Ende war nicht abzusehen. Immer war etwas anderes wichtiger. Nun beschlossen wir, das Benzingeld und unsere Abwesenheit zu nutzen und einen Profi an Bord zu holen. Der sollte die Estrich-Misere endlich für uns beheben. Das beschlossen wir nach ungefähr sechswöchiger Quarantäne als noch nicht abzusehen war, wann wir wieder zum Haus fahren dürften. Hätte man sicher auch früher drauf kommen können, aber wir hatten die ganze Zeit die Hoffnung, dass man über kurz oder lang ein Einsehen haben und uns unser Eigentum wieder betreten lassen würde. Irgendwann starb die Hoffnung.

„Was machen wir jetzt?“, fragten wir uns und überlegten, wen wir auf die Schnelle anrufen könnten. Und vor allem, wer auf die Schnelle kommen würde. „Wäre cool, wenn der Boden im Flur gemacht würde….“ sinnierte ich und innerhalb von Sekunden hatte Roman im Internet zwei, drei Estrichleger gefunden. Wir entschieden uns für einen, der sein Lager bzw. Gewerbe ein paar Ortschaften weiter aufgeschlagen hatte. Wir riefen ihn an und verabredeten, dass er einige Tage später den Boden im Ferienhaus begutachten und eine Kostenschätzung abgeben würde. Während der Begutachtung fiel ihm nicht nur der buckelige Flurboden auf: „Da habt ihr ja wohl noch ordentlich zu tun“, befand er, als er langsam durch die Räume schlich – auch wenn eigentlich nur ein Raum von professionellem Interesse war. „Oh Mann, ja, noch ganz schön viel zu tun.“, bestätigte er noch einmal, was wir ohnehin schon wussten.

Später telefonierten wir noch einmal und Roman und Herr W. klärten die Anforderungen an die kommende Arbeit (Flurboden + den Boden im unteren Bad – Aussparung für die Dusche). Außerdem war die Kostenfrage noch zu klären. Die sah ungefähr so aus: „Dat wird aber sauteuer, sach ich Ihnen!“, verkündete er am Telefon.

Große Augen und Befürchtungen bei uns. Sauteuer klang nicht nach einem Schnäppchen, da waren wir uns einig. „Hmm?“, fragte ich vorsichtig nach.

„Na, wissense, da muss ich ja für einen Tag die Pumpe anschmeißen. Den Tag kann ich ja für nichts anderes mehr nutzen. Und der lütte Raum macht das eben sauteuer.“

„Hmm? Und wie viel ist denn sauteuer?“, wollte ich es nun etwas genauer wissen.

„Na, Dausend Euro wird dat kosten.“ Ah, das war mal eine Hausnummer. Wow, so viel Benzin hatten wir nun doch nicht gespart. Roman zuckte erschöpft mit den Schultern, was so viel heißen sollte, dass ihm Geld inzwischen komplett egal war. Zeit war schließlich auch Geld und diese Währung rann uns gerade ungebremst durch die Finger. Ich sagte also unter der Bedingung zu, dass die ganze Sache schnell über die Bühne gebracht werden würde. Ja, klar, schon am nächsten Montag wollte er starten. Und das tat er. Pünktlich zur Mittagszeit sandte er ein Foto vom Ergebnis. Das konnte sich in meinen Augen sehen lassen. Ich liebe ja Estrich-Fotos. Auf einmal sieht so ein Raum gleich fix und fertig aus. Bereit zu einziehen. Man will sogleich den Cutter zücken und den lästigen blauen Streifen am Rand den Garaus machen. Leider war dem Estrich-Kameraden meine Liebe fürs Detail unbekannt, er sandte nur ein einziges Foto, obwohl ich doch so gerne sämtliche Perspektiven des Flures ausgeleuchtet hätte. Vom Bad bekamen wir leider kein Foto. Kurz darauf rief er Roman an, um auch akustisch seine Begeisterung kundzutun.

„Dat hab ich richtig gut hinbekommen, min Jung.“, trompetete es durch die Freisprechanlage unseres Autos, in welchem wir gerade saßen (nicht auf dem Weg nach Vorpommern, aber Brandenburg ist ja auch schön). „Dat wird dir jut gefalle, das sach ich dir. Richtig gut gelungen ist mir das.“ Er war kaum zu bremsen, so begeistert war er vom eigenen Ergebnis. Das zauberte nun auch uns ein Lächeln aufs Gesicht. Das konnte ja nur gut werden, oder? Kurz hielt Herr W. inne im Eigenlob und fragte zögerlich nach, ob wir auch „so welche sind, die gleich bezahlen?“. Natürlich, versicherten wir und selbstverständlich überwiesen wir die Dausend Eur (Netto natürlich, gargh) noch am Tag der Rechnungslegung.

Flurestrich

Wir hoffen nun bloß, dass wir auch in der Realität ebenso begeistert sind wir der Profi selbst. Vor allem kann ich es kaum erwarten, das kleine Bad zu sehen, welches nun bestimmt ebenfalls nach richtigem, echten Raum aussieht und nicht mehr nur nach einer dreckigen kleinen Nische im Flur. Das wäre schön. Dann können wir endlich weiter machen. In selbigen Bad muss noch ein Rohr versteckt werden, eine Toilettenkonstruktion angebracht, eine Dusche eingebaut, gefliest und gestrichen werden. Dann sind wir schon fertig. Ja, ja, ich weiß, es muss also noch alles gemacht werden.

Kurzum, wir können es kaum erwarten. Wenn wir am Wochenende nach Grambin fahren, haben wir auch einen ganzen Haufen neuer Möbel im Hänger, die ich vor lauter Langeweile und Kaufsucht angeschafft habe. Heute kam das neueste.

Wohnzimmersessel

Ich liebe diesen Sessel so sehr, dass ich ihn eigentlich gar nicht mehr hergeben will. Dennoch passt er vom Konzept her besser ins Ferienhaus. Die eine oder der andere erinnert sich: das Haus soll am Ende nach Londoner Freudenhaus aus dem 19. Jahrhundert aussehen. Mit diesem Sessel nähere ich mich dem Konzept beträchtlich an.

Mehr habe ich heute nicht zu verkünden. In der nächsten Woche habe ich hoffentlich schon mehr zu erzählen. Übrigens überlege ich, etwas mehr Struktur in mein Leben zu bringen und einer meiner Vorsätze diesbezüglich ist es, diese Beiträge hier etwas regelmäßiger zu schreiben. Vielleicht einmal pro Woche als festen Termin. Das wäre doch was, oder?

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jana sagt:

    Wie immer spannend und lustig! Londoner Freudenhaus, ick schmeiß ma weg 😉

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    1. Würdest du doch als Gast sicher zu schätzen wissen? Die machten bestimmt immer einen sehr einladenden Eindruck. So gemütlich!

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