Advent

Am letzten Wochenende war es wieder sehr trubelig bei uns:

Ihr wisst ja, wir kommen immer sehr langsam voran. In der letzten Woche hatte die Tochter dann auch noch das berühmt-berüchtigte Drei-Tage-Fieber, welches uns – na, wer weiß es? – drei Tage lang in Atem hielt. Da wir zusätzlich wegen meiner Weiterbildung immer nur von Samstag bis Sonntag vor Ort sein können, haben wir zum Arbeitseinsatz geblasen. Meine Schwester und ihre Familie rückten freundlicherweise an, um uns zu helfen.

Eigentlich sind das insgesamt nur vier Menschen, aber irgendwie kommt diese Familie immer über einen wie ein Tornado. Ihr Auto hielt vor der Einfahrt, ein Mordskrach war zu hören und sie fielen ins Haus ein wie…wie…die Hunnen. Mindestens! Wir wohnen ja momentan nur in dem offenen Wohnzimmer mit anschließender Küche. Diese beiden Räume sind derzeit die einzigen, die über eine halbwegs dichte Tür verfügen, mithin es auch die einzigen sind, die wir richtig heizen. Man muss sparen, wo es nur geht…. Innerhalb von zwanzig Minuten war die Bude nicht wieder zu erkennen. Meine Schwester rückt scheinbar immer mit ihrem kompletten Hausstand an und binnen weniger Minuten sah das Zimmer aus wie eine leuchtende Kreuzung aus Weihnachtsmarkt und Teppich-Kibek. Sie breitete überall Spieldecken, Picknickdecken, Kuscheldecken und so weiter aus, bis kein Zentimeter oller Estrich mehr zu sehen war. Dann kramte sie aus einer von circa 1000 Taschen noch diverse Weihnachtsdeko aus („Wo willste den Schwippbogen hinhaben?“) und ruckizucki wurde uns allen ganz warm ums Herz. Die Adventskalender wurden drapiert (für die Kinder), der Punsch bereit gestellt (für die Erwachsenen) und die Sternengirlande mit Malerkreppband ans Fenster geklebt (für die Nachbarn). So konnten wir ordentlich den ersten Advent begehen. Es war regelrecht magisch und ich habe mich sehr gefreut, denn dank des fiebernden Kindes war ich eher schwankend vor Erschöpfung denn vor lauter Glühwein-Genuss.

Auch der Schwager ließ sich nicht lumpen und stieg sofort in die Arbeitshose. Oberste Priorität hatte an diesem Wochenende die Beseitigung des Altmetall-Schrotts. Wir hatten nach langer Suche in der näheren Umgebung endlich einen Schrotthändler gefunden, der uns kostenlos einen Container zur Verfügung stellte, in den wir den Schrott einfach einladen durften. Der Container wurde in unserer Abwesenheit geliefert. Wie immer fühlte es sich also an, als seien die Kobolde über Nacht da gewesen. Trotz vorheriger gegenteiliger Absprache wurde der Container leider fast direkt in der Auffahrt geparkt. Eigentlich wollten wir ihn weiter hinten auf dem Grundstück abgeladen haben, denn irgendwo wollten wir ja auch parken. Pustekuchen! Ein Baum stand im Weg. Mal wieder. Das führte dann zum Einen dazu, dass Roman eine millimetergenaue Park-Aktion – am Container vorbei und auf den künftigen (jetzt aber noch sehr stark bewachsenen) Parkplatz hinauf – durchführen musste und zum Anderen dazu, dass das Altmetall, das wir in den letzten Wochen immer schön hinterm Haus abgeladen haben, ein ordentliches Stück weit transportiert werden musste. Aber die Männer sind ja stark. Und der größte Teil des Schrotts wanderte dann auch im Nu in den Container. Nur die beiden monströsen Rippenheizkörper aus „dem blauen Zimmer“ waren eine Herausforderung. Ich hatte ja schon einmal erwähnt: einer dieser Heizkörper wiegt circa eine Milliarde Tonnen. Und davon hatten wir zwei. Die Männer schoben und zerrten, aber sie schafften es mit hochroten Köpfen lediglich, den kleineren der beiden Monster in den Container zu schaffen. Als sie ihn von der Eingangsempore elegant auf den Boden werfen wollten, zerstörten sie leider eine der Fliesen auf der Empore. Ärgerlich! Aber ich getraute mich nicht, den schnaufenden Männern die Leviten zu lesen. Das reibe ich ihnen besser bei anderer Gelegenheit unter die Nase…

Nun musste aber noch der zweite Heizkörper weg geschafft werden. Bloß wie? Vor kurzem hatten wir einmal den Tipp bekommen, dass sich Gusseisen relativ leicht zerschlagen lässt. Gesagt, getan. Mit letzter verbliebener Manneskraft hoben die Boys den Vorschlaghammer (Jaaa, da war er wieder!!) und ließen sie auf den Heizkörper sausen. Und lasst euch gesagt sein: es funktioniert. Vor lauter Freude ist mir glatt das Foto verwackelt. Falls ihr also mal riesige gusseiserne Heizkörper los werden wollt, könnt ihr sie einfach in tausend Stücke zerschlagen. Ich finde, das hätte den Jungs auch schon beim ersten Heizkörper einfallen können, aber mich fragt ja wieder keiner.

Letztlich war aber alles glücklich verladen und wir hoffen, dass ein ordentliches Gewicht zusammen gekommen ist. Ich habe keine Ahnung, was man für Metallschrott bekommt, aber ich bin froh über alles, denn finanziell habe ich in letzter Zeit etwas über die Strenge geschlagen. Und das, obwohl noch kein einziges Weihnachtsgeschenk gekauft ist!

Nach all der Arbeit gönnten sich die Männer dennoch keine Ruhe und verbrachten den Abend im Obergeschoss, um wenigstens noch in einem Zimmer die Dampfsperrbremse zu verlegen. Damit sind nun drei Zimmer vor allen aufsteigenden Dämpfen sicher. Nur noch 50 Arbeitseinsätze und wir können endlich die erste Tapete anbringen….

Während die Männer schufteten, machten die Damen mit der Nachkommenschaft einen Spaziergang durch den Garten und sammelten Grünzeug für die weiterführende weihnachtliche Dekoration. Ich wünschte mir ein Gesteck für die Haustüre und mein Wunsch wurde erfüllt. Natürlich fehlte es an allen essentiellen Dekorationswerkzeug. Kein Draht, keine Bastelschere, keine Kugeln oder sonstwas. Und womit kann man fast alle Herausforderungen des Lebens meistern? Genau. Mit Kabelbinder. Also wurden auch diverse Zapfen mithilfe von nikotingelben Kabelbindern am Tannengestrüpp festgezurrt und selbstverständlich hält alles bombenfest und für immer. Oder zumindest bis Anfang Januar.

Da nun alles so schön weihnachtlich geschmückt ist, überlegen wir tatsächlich, die Weihnachtsfeiertage dort zu verbringen. Auf jeden Fall hat sich die schwesterliche Familie schon über Silvester angekündigt. Und wie ich sie kenne, werden sie das Haus mit Konfetti fluten und auf dem alten Herd mindestens einen Karpfen zubereiten und ein paar Krapfen zaubern. Ich freue mich drauf!

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