Gottvertrauen

Eine weitere Woche ist vorbei. In dieser ist sogar ordentlich was passiert. Aber fangen wir von vorne an.

Am letzten Wochenende standen die Heizungen auf dem Plan. Und wie das so ist, wenn man keine Lust auf die wirklich wichtigen Sachen hat, gammelten wir zunächst eine Weile herum, um dem Problem aus dem Weg zu gehen. Wir räumten ein wenig auf, werkelten im Garten, ja, am Ende widmeten wir uns sogar der Klärgrube, weil wir auf die verfluchten Heizungen einfach keine Lust hatten.

Die Abwassergrube entdeckten wir im Sommer, als wir die Hecken kurz und klein hackten, weil sie einen nicht unerheblichen Teil des Gartens einfach komplett vor den Blicken eines jeden verbargen. Hinter der Hecke war nur dunkles Gestrüpp, ein Komposthaufen und…die Abwassergrube. Die hätten wir lieber nicht entdeckt, aber wo sie nun schon da war, mussten wir uns auch gedanklich um sie kümmern.

Der ehemals von der Hecke abgeschlossene Gartenteil – der sich übrigens neben dem Haus befindet – soll irgendwann mal Parkplatz werden. Dann soll sich der Aufenthalt auf den Gartenteil, der sich hinter dem Haus befindet, beschränken. Der Parkplatz soll gepflastert werden und zwei, besser drei Autos beherbergen können. Zu diesem Zwecke ist es natürlich ziemlich doof, wenn sich mitten darunter eine alte Abwassergrube befindet. Die ist zwar sehr stabil und auch nicht wahnsinnig groß – trotzdem besteht die kleine Gefahr, dass sie irgendwann unter dem Gewicht eines Touristen-SUV in sich zusammen fällt. Da hätte unsere Versicherung sicher ein Hühnchen mit uns zu rupfen. Was macht man mit so einer Grube? Tipps sind willkommen. Der gängigste lautet natürlich: auffüllen. Bloß womit? Auch hier scheinen sich die Gemüter weitestgehend einig: mit Schutt. Davon haben wir schließlich wahrlich genug. Doch darf man das? Reicht das? Muss man das verdichten? Braucht man dazu sozusagen ein Ablussrohr, wodurch eindringendes Wasser ablaufen kann? Fragen über Fragen. Um sich ein besseres Bild der Lage machen zu können, kletterte der mutige, mutige Ferienhausherr also kürzlich in die Grube hinein. Bewaffnet mit einer leistungsarmen Taschenlampe und begleitet durch familiäre Iiiihhh-Rufe. Bekleidet war er zunächst übrigens nur mit einem Ganzkörperanzug. Nach kurzer Zeit hatte er jedoch buchstäblich die Nase voll und griff zur Atemmaske. Dergestalt angetan bot er ein seltsam außerirdischen Anblick. Während Roman sich also in der Grube – mehr oder weniger – eine schöne Zeit machte, traten auf einmal zwei Männer ans Gartentor. Beide waren in etwas fortgeschrittenem Alter und bekleidet mit Trenchcoats und Krawatte. Ich war fest davon überzeugt, dass es sich hier um die Grambiner Polit-Elite handelte, der irgendeine Wahl bevorstand und die darum nun zum Händeschütteln durch die Straße patrouillierte. Da ich stets bemüht bin, mich im Dorfe einzugliedern, begab ich mich also pflichtbewusst zum Handshake ans Gartentor.

Doch es kam anders. Ich hatte schon fast die Hand zum Gruße ausgestreckt, da taten sich neben der Abwassergrube noch weitere Abgründe auf. Trenchcoat Nr. 1 erkundigte sich zunächst ganz zaghaft: „Haben Sie sich schon einmal gefragt…“ Huch, was kommt denn jetzt?, wartete ich gespannt ab. „…ob Gott sich noch um uns kümmert?“ Ich musste ein bisschen lachen, denn tatsächlich hatte ich mich das noch nie gefragt. Das sagte ich ihm dann auch. Trenchcoat Nr. 2 schüttelte betrübt den Kopf und schrieb mein Seelenheil offensichtlich schon ab. Sein Partner gab nicht so schnell auf: „Weil Sie nicht an Gott glauben?“ – „Ich glaube, man kümmert sich am besten selbst.“, sagte ich und kam mir dabei sehr diplomatisch vor. Diplomatie war aber nicht das, wofür die Herren gekommen waren. „Weil Sie nicht glauben?“, hakte Nr. 1 also noch einmal nach? „Nicht an Gott jedenfalls.“, bestätigte ich und überlegte gerade, ob ich das zum Anlass nehmen wollte, eine kleine Diskussion über Religionen, Feminismus und – wenn wir schon mal dabei waren – die Probleme bei der Haussanierung zu führen. Dieses Vorhaben wurde allerdings vereitelt durch Roman, der in diesem Moment, in Ganzkörperanzug samt Atemmaske gehüllt, aus der Abwasergrube auftauchte, als wäre er der Leibhaftige. Da wurde es auch den Trenchcoats zuviel und sie lenkten schnell ein. Sie hätten ja nur mal fragen wollen. Alles Gute und Adieu. Und weg waren sie.

Frösche

Wir haben dann noch die Grube vermessen und bereits ein Abflussrohr entdeckt. Wahrscheinlich auch eine eher semi-legale Aktion der Erbauer, aber uns soll es recht sein. Bei Gelegenheit werden wir uns noch sehr viel eingehender mit dieser Problematik auseinander setzen müssen. Bis dahin müssen wir hoffen, nicht von Kröten überrannt zu werden, denn die gibt es in der Grube zuhauf. Irgendwie mag ich die nicht. Die sind nicht hübsch und auch gar nichts anderes.

Einen Tag später hatte sich der Hausherr soweit erholt, dass wir die nächste Aufgabe angehen konnten. Ihr wisst ja, das Haus ist Baujahr 1980. Damals gab es diese schönen Plattenheizkörper, von denen einer ungefähr 300 Kilo (geschätzt) wog. Unsere sind im Laufe der Jahre sehr oft überstrichen worden, so dass sie auch ordentlich an Umfang zugelegt haben. Man möchte meinen, dass sie ohne die vielen Farbschichten einige Zentner leichter wären. Bereits von Anfang an wussten wir, dass sie ausgetauscht werden müssen, auch wenn der Makler sie für „noch gut“ befand. In mehreren Zimmern waren sie so durchgerostet, dass Wasser mit einem Folter-gleichen Tröpfeln austrat. Wir haben diese Aufgabe lange vor uns hergeschoben. Vielleicht zu lange. Nun müssen wir uns ranhalten, dass wir die Bude noch vor dem Winter wieder warm bekommen. Also legten wir los. Besser gesagt, der Mann legte los. Es war mal wieder eine der Gelegenheiten, in der ich keine andere Aufgabe hatte als die Kinder davon abzuhalten, sich ins Unglück bzw. die Flex zu stürzen. Der Sohn sah das elektrische Gerät und war gleich hochmotiviert zu helfen und sämtliche Knöpfe zu drücken. Mit Müh und Not konnten wir das unterbinden. Die Tochter sah die schönen fliegenden Funken und streckte ihre Ärmchen danach aus. Mit Beharrlichkeit retteten wir ihre zarte Haut und ernteten dafür den ein oder anderen Wutausbruch. Während ich also die Kinder wegsperrte…äh…beschützte, werkelte Roman mit der Flex an den Heizungsrohren herum. Entweder haben wir besonders krasse Heizungsrohre oder die Trennblätter der Flex waren wirklich für die Katz. Wir konnten jedenfalls maximal zwei Rohre schneiden, bevor wir das Blatt wieder wechseln mussten, weil es sich bis auf wenige Millimeter abgenutzt hatte. Ein paar Blätter explodierten sogar und lösten sich quasi in Staub auf. Aber was lange währt, wird endlich gut und so konnten wir am Ende des Tages auf einen erklecklichen Haufen Heizkörper blicken. Obwohl! Ganz so schnell ging das nun doch nicht. Ich erwähnte ja eingangs, dass diese richtig schwer sind. Dazu muss man sagen, dass sich im Haus Heizkörper diverser Ausmaße befanden. Sie waren alle verschieden lang, verschieden hoch, verschieden in der Ausführung – in einem Zimmer gab es Radiatoren – und waren recht willkürlich an die Wände der Zimmer gelegt worden. Heutzutage ist es ja üblich, die Heizung unter dem Fenster anzubringen, um möglichst wenig Stellfläche zu vergeuden. In den 80ern ließ man sich über die beste Ausnutzung der Stellfläche offenbar keine grauen Haare wachsen. So kommt es nun, dass die Heizkörper überall – nur nicht unter den Fenstern – hängen. Ja, es gibt sogar Über-Eck-Lösungen! Es kommt einem so vor, als hätte man den Besitzern eine gewisse Anzahl Heizkörper geschenkt und diese mussten (womöglich blind?) einfach irgendwie verteilt werden.

Heizung ab

Jetzt sind sie weg. Und das Abflexen der Rohre war nicht der schlimmste Job. Der kam, als wir die abgesägten Heizungen im Garten zu einem hübschen Schrotthaufen schichten wollten. Was ist Gusseisen schwer, Kinder! Wir haben die einzelnen Heizkörper nur zu zweit und unter größten Mühen nach draußen bewegen können. Die Plattenheizkörper hatten wir irgendwann draußen, aber bei den Radiatoren mussten wir passen. Dank nachbarschaftlicher Hilfsleistungen konnten diese zwar aus ihren Halterungen von der Wand entfernt werden, aber auch zwei starken Männern war das Tragen aus dem Haus zu schwer. Ein Radiator wog sicherlich um die 150 Kilo. Mindestens! Vielleicht sogar 150 Tonnen, alles ist möglich.

Am nächsten Wochenende kommt dann jemand vom Schrotthandel und nimmt hoffentlich den ganzen Haufen mit und lässt wenigstens eine kleine Summe dafür da. Bei 172532937547282 Tonnen Altmetall sollte ja eigentlich ordentlich was zusammen kommen. Dann haben wir endlich die ersten Einnahmen, har har.

 

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