Zwei Schritte vor, einer zurück

Es geht voran bei uns. Aber weiterhin langsam. Wie sagt man so schön? Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Allerdings sehen Eichhörnchen bei der Nahrungsaufnahme wenigstens drollig aus. Wir hingegen sind immer noch verrotzt und ekelig. Während ich in Woche drei immer noch mit den Kita-Killer-Viren in Form einer hartnäckigen Erkältung kämpfe, war die Tochter die Ekel-Leiter schon eine Stufe höher geklettert und hatte in dieser Woche eine Bindehautentzündung. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Sohn abklatscht und auch eine hat. Natürlich kämpfen beide nur ein paar Sekunden damit und gesunden schnell und dann geben sie ihre Ekligkeit an mich weiter und ich werde wieder gefühlt einen Monat damit zu kämpfen haben. Hach, Kinder. Sie geben einem so viel zurück.

Aber das will natürlich keiner lesen. Es geht ja um die Sanierung. Ich habe oft den Eindruck, dass wir uns auf der Baustelle immer zwei Schritte vor und dann wieder einen Schritt zurück bewegen. Beispielsweise entkernen wir vorbildlich das Dach – kommen dann aber nie dazu, es neu zu dämmen. Wir säubern die Kniestöcke – und entdecken dann darin dieses kaputte Abluftrohr im Bad. Diese Liste könnte man noch eine Weile weiter führen. Und es hört auch jetzt nicht auf. Wir haben echt ein wenig Zeitdruck, das Haus winterfest zu machen – und dann bin ich komplett außer Gefecht gesetzt. So kann ich diese Woche auch leider nur aus zweiter Hand davon berichten. Da ich in der letzten Woche noch mehr oder weniger flach lag (natürlich in aufrecht, denn…ihr wisst schon…die Kinder müssen betreut werden), hat Roman sich für einen Tag aus unserem munteren Krankenlagerleben ausgeklinkt und ist allein nach Grambin gefahren.

Bank.jpg

Da das Auto dabei so schön leer war, hat er gleich noch ein Möbelstück mitgenommen. Ist dieses Bänkchen nicht traumhaft schön? Ich liebe ja solche alten Möbelstücke. Dieses hier gammelt schon eine ganze Weile in unserem Keller herum. Ich habe es vor Ewigkeiten mal bei Ebay für wirklich wenig Geld ersteigert und war auch eigentlich sehr motiviert, es ruckzuck mit einem neuen Bezug etwas aufzuhübschen. Das Leben kam dazwischen und es vergingen einige Jahre. Nun hat es ein neues Zuhause gefunden und ich bin erneut sehr motiviert, es ruckzuck … Ach, lassen wir das. Es wird noch eine ganze Weile in diesem Zustand verharren müssen, aber auch so macht es schon eine gute Figur in unserem Wohnzimmer. Ich habe mich übrigens schon richtig an den Industrial-Look und den Charme der zerstörten Tapeten in unserem Wohnzimmer gewöhnt. Vielleicht sollten wir es einfach so lassen.

Während seiner einsamen Arbeitsschicht ist Roman übrigens besser voran gekommen als wir beide zusammen in einer ganzen Woche. Er hat endlich in den oberen Zimmern die Kniestöcke von den letzten Resten Dämmwolle befreit und die letzten Latten von den Decken entfernt. Und während er da so auf allen Vieren in dem dunklen Kniestock hockte – sicher in Gedanken bei seiner tollen, bemitleidenswerten Freundin – fassten seine Hände auf einmal in etwas unerwartet Festes. Ähnlich piekend wie die Dämmwolle aber eher ein fester Klumpen. Nun ist es ja recht dunkel in so einem Kniestock. Er dachte sich also nichts weiter dabei und packte den Klumpen in den Eimer, den er mit den Knien vor sich herschob. Als er endlich den Weg ans Tageslicht zurück gefunden hatte, entdeckte er zu seiner Bestürzung, was er da ausgegraben hatte. Einen Igel. Einen süßen, kleinen und sehr toten Igel. So tot übrigens, dass er zu einer kleinen, piekenden Mumie zusammen getrocknet war. Wie er wohl da hoch gekommen war? Igel sind ja nicht gerade gute Kletterer, oder? Vermutlich hat eines der Raubtiere aus der Nachbarschaft – Katze, Marder, Wolf oder Säbelzahntiger – ihn da raufgeschleppt und dann vergessen. Das CSI Grambin hat den Fall noch nicht endgültig aufgeklärt, aber der Tatort ist bereits wieder freigegeben.

Igel_tot

Als er dies traumatische Erlebnis halbwegs verarbeitet hatte (Für einen Mittdreißiger ist der Ferienhausherr erstaunlich zartbesaitet. Nur ein Disneyfilm hätte ihn noch härter getroffen.), wagte Roman sich noch an die Heizung.

Trotz goldenem Oktober: der Winter naht. In den nächsten beiden Wochen sollen vorher schnell noch die Heizungsrohre und die Heizkörper erneuert werden. Dafür müssen die alten natürlich raus. Roman schnappte sich also den Trennschleifer und begann, die Heizungsrohre abzutrennen. Der Trennschleifer selbst ist übrigens ein solides Markengerät. Kombiniert haben wir ihn – wir sind aber auch clever! – mit günstigen Trennblättern vom Lebensmitteldiscounter. Wir müssen schließlich sparen! Es funktionierte auch. Nur nicht besonders lange. Man konnte zusehen, wie sich die Trennblätter in rasendem Tempo so sehr abnutzten, dass sie sich quasi in Luft auflösten. Zwei der Trennblätter explodierten dann auch tatsächlich und flogen dem armen Bauarbeiter um die Ohren. Leider nehmen wir den Arbeitsschutz auf der Baustelle oft nicht ernst genug und so blieb ihm nichts anderes übrig, als sich einfach schnell wegzuducken. Ich bin zwar sicher, dass er mit zernarbten Gesicht nicht minder attraktiv wäre, aber auch gleichzeitig froh, dass ihm nichts passiert ist. Lernt daraus und macht es besser! Safety first! Das ist echt ganz wichtig!

Wenn wir morgen wieder zum Ferienhaus fahren, werden wir noch die Heizung im Erdgeschoss entfernen. Außerdem werden wir unter den Fenstern, nämlich dort, wo die neuen Heizkörper hinkommen, die Wände säubern und eventuell schon streichen. Da ich in Gedanken bereits Farben für jedes Zimmer ausgewählt habe, können wir sie auch schon streichen. Wir müssen nur noch vorher die Farbe kaufen, aber das sollte ausnahmsweise wirklich mal schnell gehen. Ich finde es immer etwas unschön, wenn man hinter die Heizung guckt (macht doch jeder ab und an, oder?) und dort ist die Farbe anders als am Rest der Wand. In der nächsten Woche kommen dann endlich, endlich die neuen Fenster. Dann sieht man sicherlich schon einen ersten richtigen Baufortschritt. Darauf freue ich mich riesig. Leider hat die Bestellung unserer Fenster letztlich doch länger gedauert als erwartet. Sie wurden vor knapp zwei Monaten bestellt. Die Lieferung sollte eigentlich nur drei Wochen dauern, aber nunja. Davon können sicher alle Bauherren ein Lied singen. Wir singen dann eben noch lauter, wenn sie endlich drin sind. Dann geht es nämlich zehn Schritte – weil zehn Fenster – auf einmal nach vorn!

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