Drei Wochen

Inzwischen sind wir seit drei Wochen hier und ich möchte mal einen kurzen Zwischenstand geben.

Besonders schnell kommen wir nicht voran, aber das habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Was also haben wir bei der Sanierung unseres Ferienhauses im Schneckentempo geschafft?

Die oberen drei Schlafzimmer sind mittlerweile tapetenfrei. Auch den Eingangsbereich und das, was wir bislang aufgrund der Wandfarbe immer „das blaue Zimmer“ genannt haben, sind nun ganz nackt. Obwohl, halt, das stimmt nicht ganz. Im blauen Zimmer ist noch Tapete an der Decke. Die muss natürlich auch noch weg. Das blaue Zimmer hat sich übrigens als Teufelsbude erwiesen. Das hatten wir so nicht erwartet, denn auf den ersten Eindruck sah es am modernsten von allen aus. Aber wie man weiß, zählen die inneren Werte.

Das Zimmer war früher mal eine Veranda und somit Teil des Eingangsbereiches. Irgendwann brauchte man offenbar Wohnraum und schloss die Wand zur Haustür, mauerte das kleine runde Glasfenster zu und erkor es… zum blauen Zimmer. Es liegt über der Tiefgarage und unter der großen Sonnenterrasse. Das führt dazu, dass es ein wenig „wetterfühlig“ ist. Um die Temperaturen – welcher Art auch immer – draußen zu lassen, klebte man eine Styropordämmung an die Innenwände, darüber kam dann die Tapete. Da diese hochprofessionelle Dämmung jedoch ungefähr so dick wie ein Blatt Papier ist, ist ihre Wirkung leider begrenzt. Wir entschlossen uns daher, sie demselben Schicksal wie die Tapete auszusetzen. Leichter gesagt als getan. Dieses Zeug klebt derartig fest an der Wand, dass wir erstmals zu schwerem Gerät greifen mussten. Das freute den Ferienhausherr zunächst sehr, denn zwischen schwerem Gerät und gefühlter Männlichkeit scheint es einen direkten Zusammenhang zu geben. Kurz jedenfalls. Denn neun Kilo sind eben doch neun Kilo. Und die ordentlich an der Wand hoch und runter zu jagen, geht ins Kreuz. Oder die Arme. Oder was weiß ich, ich hab’s ja nicht bedient. Als der Mann anfing zu ächzen, wollte ich kurz einwerfen, dass ich ziemlich oft seine beiden Kinder (insgesamt rund 23 Kilo) gleichzeitig durch die Gegend trage. Zumeist heulend, was es auch nicht einfacher macht. Aber vielleicht bin ich auch einfach Superwoman. Ich habe jedenfalls im Angesicht seiner Beschwerden nichts außer Lob von mir gegeben. Hat er ja auch gut gemacht. Gestern Abend haben wir dann noch das künftige Kaminzimmer enttapeziert. Ging am Anfang seeehr gut. Ganze Bahnen fielen uns in die Hände. Hinten raus saßen wir dann gefühlte drei Stunden am letzten Quadratmeter. Egal, wech is wech.

Während meine Schwester uns mit ihrer Familie hier besucht hat, hatte Roman ja außerdem mit meinem Schwager begonnen, das Dach zu entkernen. Dort oben gibt es zwar keine ordentliche Dämmung, aber davon viel. An den Wandschrägen handelt sich dabei um sogenannte „Sauerkrautplatten“, also Platten aus zusammen gepresster Holzwolle. Auf der Geschossdecke lag zusätzlich noch Glasfaserwolle. Das flog alles raus. Nachdem die Jungs damit fertig waren, durfte ich einen Tag lang hoch, um die kleinen Reste zu beseitigen. Ja, richtig gelesen, die Frau wurde zum putzen hoch geschickt. Mein Feministenherz pocht immer noch ganz aufgeregt. Während ich mich noch fragte, ob ich am Ende vielleicht noch mal feucht durchwischen soll, tönte von unten schon die Frage, ob ich den Staubsauger brauche. Nein, danke. Da die alten Deckenplatten ohnehin bald erneuert werden, guck ich mir dann lieber an, wie der Rest-Dreck den Herren auf die Köpfe rieselt.

Seitdem haben wir hier in der Umgebung sämtliche Baumärkte abgegrast, um uns nicht nur mit YouTube-Tutorials kundig zu machen sondern auch echte Fachleute zu befragen. Oder eben Leute, die man als Profi getarnt in den Baumarkt stellt. Fünf Baumärkte, fünf komplett unterschiedliche Vorgehensweisen. Unglaublich. Inzwischen haben wir uns aus diesen fünf Ratschlägen einen halbgaren Plan zurecht gelegt.

Unsere ständigen Touren zum Baumarkt, die nächtlichen Arbeiten, damit verbundener Schlafmangel und eine kleine Erkältungswelle, die die männlichen Familienmitglieder erwischt hat, haben zu einer ersten Missstimmung auf unserer Baustelle geführt. Nach drei Wochen haben wir seit zwei, drei Tagen eine moralische Flaute. Wir sind alle irgendwie dünnhäutig und gehen uns auf die Nerven. Nur unsere abendlichen Spaziergänge zum Strand oder durch die schöne Umgebung bewahren uns vor unnötigen Entgleisungen. Vielleicht brauchen wir eine kleine Pause.

Die werden wir allerdings ohnehin bald haben. In der nächsten Woche wird der Container für unseren Bauschutt geliefert und wenn wir darin nicht nur unsere Tapetenreste, sondern auch sämtliche Türen samt Zubehör, die sanitären Anlagen und alle Bodenbeläge verstaut haben, wird es hier nicht mehr allzu gemütlich sein, schätze ich. Spätestens dann werden wir uns hier verabschieden und nur noch zu den Terminen kommen, wenn wir den Handwerkern Schüssel geben bzw. Arbeitsabnahme mit ihnen machen. Erst, wenn die neue Heizung und die Elektrik im Hause sind, können die richtigen Aufbauten beginnen.

So, das war nun ein kurzer Einblick.

Einige Leute haben uns gebeten, doch einmal ein paar aussagekräftige Fotos online zu stellen. Das wollen wir gerne tun – im nächsten Beitrag. Unser Dorf hier zeichnet sich zwar durch eine äußerst erbauliche Natur aus, aber auch durch miserablen Internetempfang. Die Energie, auf das Hochladen der Bilder zu warten, fehlt mir heute. Ich bitte um Verständnis.

Wenn jemand also einen superschlauen Tipp zu a) einer Kaltdachdämmung oder b) einem Jungsschnupfenmedikament kennt, nur her damit…

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